Aggression


Viele Katzenhalter kennen diese Situation: Sie liegen entspannt mit Ihrer Katze auf dem Sofa, streicheln sie – und plötzlich schlägt oder beißt sie zu. Zurück bleiben Verunsicherung, vielleicht auch Schmerzen, und die Frage: Warum macht meine Katze das?
In den meisten Fällen kommt diese Reaktion nicht plötzlich und nicht ohne Vorwarnung. Ihre Katze sendet sehr feine, oft kaum wahrnehmbare Signale, mit denen sie zeigt, dass ihr der Kontakt zu viel wird. Werden diese Anzeichen übersehen oder nicht richtig gedeutet, bleibt Ihrer Katze manchmal nur noch ein deutliches Verhalten, um ihre Grenze klarzumachen. Denn nicht jede Katze möchte dauerhaft gestreichelt werden – viele genießen es, einfach ruhig und ohne Berührung neben ihrem Menschen zu liegen.
Was bedeutet Aggression bei Ihrer Katze?
Aggression beschreibt ein Verhalten, mit dem Ihre Katze versucht, Abstand zu schaffen, sich zu schützen oder eine als bedrohlich empfundene Situation zu beenden. Dabei handelt es sich nicht um Bösartigkeit oder „Ungehorsam“, sondern um eine Form der Selbstverteidigung.
Grundsätzlich sind Katzen keine aggressiven Tiere. Auch Ihre Katze wird Konflikte möglichst vermeiden, da Auseinandersetzungen immer ein Verletzungsrisiko bergen. Erst wenn sie sich bedroht, überfordert oder ohne Ausweichmöglichkeit fühlt, kann es zu einem Angriff kommen.
Aggressives Verhalten ist daher immer ein Hinweis auf ein zugrunde liegendes Problem.
Wann und wie kann Aggression bei Ihrer Katze auftreten?
Aggression kann sich sehr unterschiedlich äußern und sich sowohl gegen Menschen als auch gegen andere Katzen richten. Häufige Auslöser sind:
1. Akute oder chronische Schmerzen
Schmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für aggressives Verhalten. Dazu zählen unter anderem:
Arthrose oder andere Gelenkprobleme
Zahn- und Maulerkrankungen
Verletzungen
innere Erkrankungen
Besonders auffällig ist Aggression, wenn Ihre Katze auf Berührung plötzlich empfindlich reagiert.
2. Überforderung durch Körperkontakt
Nicht jede Katze genießt langes oder intensives Streicheln. Wird diese individuelle Grenze überschritten, kann Ihre Katze durch Schlagen oder Beißen signalisieren, dass sie den Kontakt beenden möchte.
3. Aggression gegenüber anderen Katzen
Leben mehrere Katzen zusammen, kann es zu Spannungen kommen, zum Beispiel durch:
anhaltendes Mobbing
fehlende Rückzugsorte
Konkurrenz um Futter, Schlafplätze oder Aufmerksamkeit
Diese Konflikte können sich schleichend entwickeln oder plötzlich eskalieren.
4. Umgerichtete Aggression
Nimmt Ihre Katze eine starke Bedrohung oder Erregung wahr (z. B. eine fremde Katze draußen), kann sie diese Situation manchmal nicht direkt bewältigen. Die aufgestaute Angst oder Frustration entlädt sich dann gegen die nächstbeste Katze oder gegen Sie als Bezugsperson.
5. Angst, Stress und Überforderung
Veränderungen im Alltag, neue Tiere, Umzüge oder dauerhafte Unruhe können dazu führen, dass Ihre Katze unter Stress steht. Aggressives Verhalten ist dann oft ein Zeichen innerer Überforderung.
Warnsignale
Aggression kündigt sich fast immer an. Typische Anzeichen sind:
angelegte oder nach hinten gedrehte Ohren
ein peitschender oder zuckender Schwanz
gespannte Körperhaltung
geweitete Pupillen
Knurren, Fauchen oder plötzliches Erstarren
Wer diese Signale rechtzeitig erkennt, kann viele Konflikte vermeiden.
Von Bestrafung ist dringend abzuraten. Ihre Katze befindet sich in einer Stress-, Angst- oder Schmerzsituation. Strafen verstärken diese Gefühle, verschlechtern das Vertrauen und können das aggressive Verhalten sogar noch verstärken. Eine stabile Mensch-Katze-Beziehung lässt sich so nicht aufbauen.
Tritt aggressives Verhalten plötzlich oder ungewohnt auf, sollte Ihre Katze immer zuerst einem Tierarzt vorgestellt werden. So können gesundheitliche Ursachen erkannt oder ausgeschlossen werden.
Sind körperliche Erkrankungen ausgeschlossen und Ihre Katze ist gesundheitlich stabil, gilt es, die verbleibenden Auslöser genauer zu betrachten:
Alltag und Umgebung
konkrete Situationen, in denen Aggression auftritt
Interaktionen mit Menschen und anderen Katzen
Als Katzenverhaltensberaterin unterstütze ich Sie dabei, das Verhalten Ihrer Katze besser zu verstehen, frühe Warnsignale zu erkennen und gemeinsam individuelle Lösungsansätze zu entwickeln. Ziel ist ein entspanntes, sicheres und vertrauensvolles Zusammenleben.
