Kratzmarkieren


Sind Sie mit folgender Situation vertraut? Sie haben sich gerade neue Möbel angeschafft – und Ihre Katze nutzt diese sofort als Kratzgelegenheit, während der extra gekaufte Kratzbaum scheinbar ignoriert wird. Das ist frustrierend, wirft Fragen auf und sorgt nicht selten für Ärger.
Für Ihre Katze ist das Kratzen und Kratzmarkieren ein völlig normales, angeborenes Verhalten und ein wichtiges Grundbedürfnis. Es handelt sich dabei nicht um Trotz oder Absicht, sondern um ein essenzielles Ausdrucks- und Kommunikationsverhalten.
Was bedeutet Kratzmarkieren bei Ihrer Katze?
Kratzen erfüllt für Ihre Katze gleich mehrere wichtige Funktionen:
Krallenpflege: Abgestorbene Krallenschichten werden abgelöst
Dehnung und Bewegung: Vor allem nach Ruhephasen werden Muskeln und Sehnen gedehnt
Stressabbau: Spannungen und innere Erregung können abgebaut werden
Reviermarkierung: Sichtbare Kratzspuren und Duftstoffe aus Drüsen an den Pfoten signalisieren Präsenz
Kommunikation: Kratzstellen können Hinweise für andere Katzen darstellen
Spiel- oder Kontaktaufforderung: Besonders bei jungen oder sehr aktiven Katzen
Ihre Katze wählt Kratzstellen dabei nicht zufällig. Häufig werden Durchgänge, bevorzugte Aufenthaltsorte oder Plätze mit Sicht nach draußen genutzt, da diese aus Katzensicht besonders wichtig sind.
Wann wird Kratzverhalten zum Problem?
In den meisten Fällen entstehen Schwierigkeiten nicht durch das Verhalten Ihrer Katze selbst, sondern weil ihre Bedürfnisse nicht oder nur unzureichend erfüllt werden. Kratzt Ihre Katze an Möbeln, Tapeten oder Türen, zeigt sie damit, dass die vorhandenen Kratzmöglichkeiten aus ihrer Sicht nicht passend sind.
Wichtig: Ihre Katze handelt nicht aus Trotz oder um Sie zu ärgern.
Mögliche Ursachen für Kratzen an unerwünschten Stellen
Es gibt verschiedene Gründe, warum Ihre Katze bevorzugt an bestimmten, für Sie ungünstigen Stellen kratzt:
unzureichende oder ungeeignete Kratzmöglichkeiten
falsche Platzierung von Kratzbäumen oder -brettern
Frustration oder Unterforderung
erhöhte innere Erregung
erlerntes Verhalten (oft unbewusst durch den Menschen verstärkt)
krankheitsbedingte Unruhe oder Schmerzen
eingeschränkte Lebensbedingungen
Angst oder Stress, z. B. im Mehrkatzenhaushalt
Oft spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.
Es wird dringend davon abgeraten, Ihre Katze für Kratzen zu bestrafen. Strafen können:
das Vertrauensverhältnis nachhaltig schädigen
Stress und Unsicherheit verstärken
dazu führen, dass Ihre Katze nur dann an unerwünschten Stellen kratzt, wenn Sie nicht anwesend sind
Kratzen ist ein Grundbedürfnis und lässt sich nicht „abgewöhnen“, sondern nur in gewünschte Bahnen lenken.
Wichtiger Hinweis zum Krallenschutz
In einigen Ländern werden Katzen noch immer die Krallen entfernt, um Schäden in der Wohnung zu vermeiden. Dieses Vorgehen ist tierschutzwidrig und in vielen Ländern verboten.
Auch sogenannte Softclaws (Krallenschuhe) können die Krallenfunktion einschränken und sollten, wenn überhaupt, nur kurzfristig und unterstützend eingesetzt werden. Sie ersetzen keine artgerechten Kratzmöglichkeiten.
Wie lernt Ihre Katze, an den richtigen Stellen zu kratzen?
Ihre Katze kann sehr wohl lernen, bevorzugt an geeigneten Stellen zu kratzen, wenn diese ihren Bedürfnissen entsprechen. Dabei ist entscheidend:
ausreichend viele Kratzmöglichkeiten
stabile, standsichere Kratzflächen
unterschiedliche Materialien (Sisal, Holz, Karton)
passende Ausrichtung (vertikal, horizontal, schräg)
strategische Platzierung an wichtigen Orten
Die Vorlieben Ihrer Katze können sich deutlich von Ihren ästhetischen Vorstellungen unterscheiden – für den Erfolg ist immer die Sicht Ihrer Katze entscheidend.
Wenn Sie Schwierigkeiten mit unerwünschtem Kratzverhalten haben oder unsicher sind, wie Sie die Kratzmöglichkeiten für Ihre Katze optimal gestalten können, unterstütze ich Sie als Katzenverhaltensberaterin gern dabei. Gemeinsam analysieren wir die Ursachen und entwickeln individuelle, alltagstaugliche Lösungen für ein harmonisches Zusammenleben.
