Zahnerkrankung FORL
Was ist FORL
FORL (Feline odontoklastische resorptive Läsionen) ist eine der häufigsten und schmerzhaftesten Zahnerkrankungen bei Katzen. Besonders betroffen sind Tiere ab einem Alter von rund 5 Jahren, statistisch entwickelt fast jede zweite Katze ab diesem Alter FORL, manche sogar deutlich früher
Bei dieser Erkrankung greifen Odontoklasten, (körpereigene Zellen, die eigentlich nur während des Zahnwechsels aktiv sind), plötzlich die gesunden Zähne der erwachsenen Katze an. Sie bauen zunächst Wurzel- oder Zahnhalsbereiche ab, Bereiche, die von außen nicht sichtbar sind. Genau deshalb bleibt FORL lange unentdeckt.
In vielen Fällen werden alle Zähne von dem Prozess betroffen, auch wenn die Geschwindigkeit, mit der sich die Zähne auflösen, von Zahn zu Zahn unterschiedlich sein kann.
Der genaue Auslöser von FORL ist bis heute nicht abschließend geklärt. Manche Forscher vermuten ein autoimmunbedingtes Geschehen, andere sehen eine Kombination aus Stoffwechselveränderungen, Entzündungen und genetischer Veranlagung. Klar ist jedoch: Die Erkrankung verursacht massive Schmerzen, die Katzen aber häufig sehr gut verbergen
Wie entsteht FORL? – Hintergründe und mögliche Ursachen
Da FORL kein einzelnes Auslöserereignis hat, geht man heute von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus
1. Autoimmun- und Immunreaktion
Bei vielen Katzen zeigt sich ein Verhalten des Immunsystems, das darauf hindeutet, dass körpereigene Strukturen fälschlicherweise angegriffen werden könnten. Dies könnte erklären, warum Odontoklasten bei erwachsenen Katzen wieder aktiv werden.
2. Stoffwechselveränderungen
Störungen im Mineralstoffhaushalt, insbesondere im Calcium- und Vitamin-D-Stoffwechsel, können den Abbau von Zahnsubstanz begünstigen.
3. Entzündungen im Maul
Chronische Zahnfleischentzündungen oder Zahnstein führen zu einer lokalen Belastung des Immunsystems. Diese Reizungen können das Fortschreiten von FORL verstärken.
4. Mechanische Belastungen
Harte Futtermittel oder Fehlbelastungen beim Kauen können dazu beitragen, dass der Zahnhalsbereich anfälliger für den Abbau wird.
5. Genetische Komponente
Manche Katzenrassen zeigen eine deutlich erhöhte Anfälligkeit.
Warum FORL so schwer zu erkennen ist
Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. In der Natur wäre ein krankes Tier ein leichtes Ziel für Feinde, daher zeigen Katzen Unwohlsein erst sehr spät.
Darüber hinaus liegen die ersten Veränderungen meist unter dem Zahnfleisch, weshalb selbst aufmerksame Halter oder Tierärzte ohne Dentalröntgen oft keine Auffälligkeiten sehen. Ein normales Fressverhalten bedeutet deshalb nicht, dass die Katze keine Zahnschmerzen hat.
Welche Symptome können auf FORL hinweisen?
Obwohl Katzen Schmerzen oft nicht zeigen, gibt es typische Anzeichen, die bei FORL auftreten können:
Verändertes Fressverhalten
Futter wird geschlungen statt gekaut
Vorliebe für Nassfutter – oder das Gegenteil: die Katze frisst nur noch Trockenfutter, weil es weniger am Zahn haftet
Plötzliches Abwehrverhalten beim Fressen (Knurren, Fauchen)
Futter fällt aus dem Maul
Häufiges Nachschlucken oder unruhiges Fressen
Maul- und Verhaltensauffälligkeiten
Vermehrtes Speicheln
Mundgeruch
Kopf schief halten, einseitiges Kauen
Zähneknirschen
Rückzug, weniger Spielen, Apathie
Aggressivität oder depressive Verhaltensänderungen
Folgeerkrankungen
Lang anhaltende Zahnschmerzen können den gesamten Organismus beeinflussen. Häufig entstehen:
chronische Magen-Darm-Probleme (Durchfall, Erbrechen)
Stressbedingte Verhaltensauffälligkeiten
verminderte Lebensqualität
Diagnose: Warum Dentalröntgen unverzichtbar ist
Viele FORL-Zähne sehen von außen völlig normal aus.
Eine sichere Diagnose ist daher nur möglich durch:
Zahnuntersuchung unter Narkose
Dentalröntgen aller Zähne
Beurteilung von Wurzeln, Zahnsubstanz und Auflösungsprozessen
Ohne Röntgen würden die meisten FORL-Fälle unentdeckt bleiben.
Behandlung: Was hilft zuverlässig?
Da die Zerstörung des Zahngewebes nicht gestoppt werden kann, ist FORL nicht heilbar. Die einzige wirksame Behandlung besteht darin, betroffene Zähne zu entfernen.
Warum Extraktion notwendig ist
Die Auflösung ist schmerzhaft und schreitet weiter fort.
Bakterien dringen leicht in beschädigte Zahnsubstanz ein.
Der Zahn wird instabil oder bricht.
Nach der Zahnextraktion
Die meisten Katzen erholen sich sehr schnell.
Schmerzmittel und ggf. Antibiotika werden verabreicht.
Nach wenigen Tagen fressen die meisten Tiere wieder normal.
Wichtig zu wissen:
Katzen können problemlos ohne Zähne leben und sind danach in der Regel deutlich schmerzfreier und aktiver als vorher.


