Chronische Niereninsuffizienz (CNI) der Katze
Die chronische Niereninsuffizienz (CNI) zählt zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen. Dabei verlieren die Nieren nach und nach ihre Fähigkeit, Abfallstoffe aus dem Blut zu filtern. Diese Stoffe reichern sich im Körper an und beeinträchtigen verschiedene Organsysteme. Weil sich CNI über Monate oder Jahre langsam entwickelt, bleibt sie zu Beginn meist unbemerkt. Eine frühe Diagnose kann jedoch entscheidend dazu beitragen, den Verlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten.
Wie entsteht CNI und wann tritt sie auf?
CNI tritt vor allem bei Senior-Katzen ab etwa 7–10 Jahren auf, kann aber auch jüngere Tiere betreffen. Die Gründe sind vielfältig:
Alterungsprozesse: Die Nierenleistung nimmt im Laufe des Lebens natürlicherweise ab.
Erbliche Veranlagung: Einige Rassen zeigen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Nierenerkrankungen.
Entzündungen & Infektionen: Unbehandelte Harnwegsinfekte oder Nierenentzündungen können das Gewebe dauerhaft schädigen.
Giftstoffe: Besonders Pflanzen wie Lilien, bestimmte Medikamente oder Chemikalien können schwere Schäden verursachen.
Harnstau & Harnsteine: Erhöhter Druck im Harntrakt kann zu Gewebeschäden führen.
Angeborene Fehlbildungen: Manche Katzen haben bereits bei der Geburt strukturelle Schwächen in den Nieren.
Oft ist es eine Kombination aus Alter, genetischen Faktoren und früheren, oft unbemerkten Nierenschädigungen.
Symptome – woran erkennt man CNI?
Die Erkrankung zeigt sich zunächst sehr unscheinbar. Zu Beginn wirken Katzen lediglich „älter“ oder „ruhiger“. Typische Hinweise sind:
Frühe Anzeichen
vermehrtes Trinken
größere Harnmengen
schleichender Gewichtsverlust
leicht verminderte Aktivität
Spätere Symptome
stumpfes oder ungepflegt wirkendes Fell
nachlassender Appetit
Übelkeit oder Erbrechen
deutlicher Muskelabbau
Mundgeruch (häufig leicht urinig)
schwankende Körpertemperatur
Rückzug, Apathie
Unsauberkeit aufgrund gesteigerten Harndrangs
Je früher solche Veränderungen erkannt werden, desto besser lässt sich Ihre Katze unterstützen.
Begleiterkrankungen
Da die Nieren viele lebenswichtige Aufgaben übernehmen, führt eine chronische Schädigung oft zu weiteren Problemen. Einige davon können den Krankheitsverlauf beschleunigen, wenn sie nicht erkannt und behandelt werden
1. Bluthochdruck (Hypertonie)
Eines der häufigsten Probleme. Erhöhter Blutdruck kann:
die Nieren zusätzlich schädigen
Augenprobleme bis hin zu Erblindung verursachen
das Herz und das zentrale Nervensystem belasten
Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind daher essenziell.
2. Herz-Kreislauf-Belastung
CNI kann das Herz durch:
Bluthochdruck
Veränderungen im Elektrolythaushalt
Blutarmut
belasten. Manche Katzen entwickeln Herzgeräusche oder werden schneller erschöpft.
3. Anämie (Blutarmut)
Geschädigte Nieren produzieren weniger Hormone für die Blutbildung. Symptome:
Müdigkeit
schwache Belastbarkeit
blasse Schleimhäute
4. Elektrolytstörungen
Häufige Veränderungen:
erhöhtes Phosphat (verschlechtert den Verlauf)
zu wenig Kalium (führt zu Muskelschwäche)
Natriumschwankungen (beeinflussen Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt)
5. Dehydratation
Durch die schlechte Konzentrationsfähigkeit der Nieren verlieren CNI-Katzen viel Wasser. Besonders gefährdet sind Tiere, die wenig trinken oder gleichzeitig erbrechen.
6. Magen-Darm-Beschwerden
Harnstoff und andere Abfallstoffe reizen den Magen:
Übelkeit
Erbrechen
Appetitlosigkeit
Magenschleimhautentzündung
7. Gewichtsverlust und Muskelabbau
Da der Stoffwechsel gestört ist und der Appetit schwankt, verlieren viele Katzen sicht- und tastbar an Muskulatur.
8. Harnwegsinfektionen
Durch den weniger konzentrierten Urin können sich Bakterien leichter vermehren. Viele dieser Infektionen verlaufen unauffällig und werden nur durch Urintests entdeckt.
Diagnose – wie erkennt der Tierarzt CNI?
Eine sichere Diagnose basiert auf mehreren Untersuchungen:
Blutwerte (Kreatinin, Harnstoff, SDMA)
Urinanalyse, um Konzentrationsfähigkeit und Proteinverluste zu beurteilen
Ultraschall/Röntgen, um Strukturveränderungen sichtbar zu machen
Blutdruckmessung, um Begleitprobleme zu erkennen
Durch diese Kombination lässt sich das Stadium einordnen und eine gezielte Behandlung planen.
Therapie – wie kann man einer CNI-Katze helfen?
CNI ist nicht heilbar, aber sehr gut stabilisierbar. Ziel ist es, den Alltag angenehm zu gestalten und das Fortschreiten zu verlangsamen.
1. Nierendiät
Der wichtigste Baustein.
Sie enthält
weniger, aber hochwertiges Eiweiß
reduzierten Phosphorgehalt
angepasste Mineralstoffe
Zusatzstoffe zum Schutz des Nierengewebes
Die Umstellung sollte langsam erfolgen, damit Ihre Katze das Futter akzeptiert.
2. Flüssigkeitsmanagement
Katzen mit CNI benötigen mehr Flüssigkeit:
Nassfutter bevorzugen
Wasser ins Futter mischen
Trinkbrunnen anbieten
Infusionen beim Tierarzt oder zu Hause (nach Anleitung)
3. Medikamentöse Unterstützung
Mögliche Medikamente (Medikamente sollten nie ohne Absprache mit dem Tierarzt eigenmächtig angewandt, verändert oder abgesetzt werden):
Phosphatbinder
Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
Blutdrucksenker
Präparate gegen Proteinverlust im Urin
Ergänzungen zur Verbesserung des Appetits oder zur Unterstützung der Blutbildung
4. Regelmäßige Kontrollen
Alle 3–6 Monate, bei fortgeschrittener CNI auch häufiger. So können Therapie und Dosierung exakt angepasst werden.
Prognose
Mit guter Betreuung, passender Ernährung und regelmäßiger Überwachung können viele Katzen trotz CNI mehrere Jahre mit guter Lebensqualität leben. Ein stabiler Verlauf ist besonders gut erreichbar, wenn die Krankheit früh erkannt wird.


