Vokalisieren

Wer findet es nicht schön, wenn die eigene Katze mit einem „spricht“? Viele Katzenhalter empfinden es als etwas ganz Besonderes, wenn ihre Katze auf sie reagiert, miaut oder scheinbar ganze Gespräche führt. Dieses Verhalten stärkt die Bindung und vermittelt das Gefühl, verstanden zu werden.

Grundsätzlich ist das Vokalisieren – also das gezielte Lautgeben wie Miauen, Jaulen oder Rufen ein völlig normales, katzentypisches Verhalten, vergleichbar mit dem Kratzmarkieren oder dem Reiben an Gegenständen. Manche Katzenrassen, wie zum Beispiel Siam- oder Orientalisch-Kurzhaarkatzen, sind sogar dafür bekannt, besonders kommunikativ zu sein.

Problematisch wird es jedoch dann, wenn das Vokalisieren auffällig häufig, sehr laut oder situationsunangemessen auftritt und für den Katzenhalter belastend wird. In solchen Fällen sollte genauer hingeschaut werden, ob ein zugrunde liegendes Problem besteht oder ob das Verhalten lediglich subjektiv als störend empfunden wird.

Was bedeutet Vokalisieren bei der Katze?

Unter Vokalisieren versteht man alle Lautäußerungen, mit denen Katzen versuchen, mit ihrer Umwelt – insbesondere mit dem Menschen – zu kommunizieren. Katzen miauen untereinander kaum, dieses Verhalten ist hauptsächlich auf den Kontakt mit uns Menschen ausgerichtet.

Vokalisieren ist also immer eine Form der Kommunikation und kein „Fehlverhalten“.

Wann und wie kann vermehrtes Vokalisieren auftreten?

Ein gesteigertes oder exzessives Vokalisieren kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufig handelt es sich um eine Kombination mehrerer Faktoren. Zu den wichtigsten Auslösern gehören:

1. Äußerung von Bedürfnissen

Die Katze versucht, auf etwas aufmerksam zu machen:

  • Hunger oder Futtererwartung

  • Wunsch nach Aufmerksamkeit oder Nähe

  • Langeweile

  • Zugang zu Räumen, Balkon oder Freigang

2. Trennungsstress oder Einsamkeit

Manche Katzen reagieren sehr sensibel auf:

  • Abwesenheit ihrer Bezugsperson

  • Verlust eines Menschen oder Partnertiers

  • Veränderungen im Alltag

Dies kann sich durch anhaltendes Rufen, besonders nachts oder beim Alleinsein, äußern.

3. Erkrankungen

Übermäßiges Vokalisieren kann ein Symptom für körperliche Erkrankungen sein, z. B.:

  • Schmerzen

  • Bluthochdruck

  • Schilddrüsenüberfunktion

  • kognitive Veränderungen im Alter

Gerade bei älteren Katzen sollte vermehrtes, scheinbar grundloses Rufen immer ernst genommen werden.

4. Angst und Stress

Neue Tiere, Umzüge, Baustellenlärm oder Konflikte im Mehrkatzenhaushalt können Stress auslösen, der sich durch vermehrtes Miauen oder Jaulen zeigt.

5. Lerneffekte durch den Menschen

Viele Katzen lernen schnell:"Wenn ich miaue, bekomme ich Aufmerksamkeit.“

Unbewusstes Bestärken – etwa durch sofortiges Reagieren, Füttern oder Streicheln – kann dazu führen, dass sich das Vokalisieren verstärkt.

Typische Anzeichen für problematisches Vokalisieren

  • sehr häufiges oder dauerhaftes Miauen

  • lautes, klagendes oder schrilles Rufen

  • nächtliches Jaulen

  • Vokalisieren ohne erkennbaren Auslöser

  • plötzliche Verhaltensänderung

Wichtig: Nicht jedes laute oder gesprächige Verhalten ist krankhaft. Entscheidend sind Veränderung, Intensität und Kontext.

Wie wird die Ursache abgeklärt?

Da Vokalisieren immer ein komplexes Geschehen ist, muss es im Gesamtkontext betrachtet werden. Dazu gehören:

  • Zeitpunkt (z. B. nachts, bei Abwesenheit)

  • Häufigkeit und Dauer

  • Situation und Umgebung

  • Alter und Vorgeschichte der Katze

Der erste Schritt sollte immer ein Tierarztbesuch sein, um gesundheitliche Ursachen auszuschließen oder zu behandeln.

Ist die Katze körperlich gesund, kann eine verhaltensmedizinische oder verhaltensberatende Einschätzung helfen, die Auslöser zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten.

Als Katzenverhaltensberaterin unterstütze ich dabei, das Verhalten richtig einzuordnen, Missverständnisse zu vermeiden und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.